Über viele Jahrhunderte galt das Auge als nahezu einziger Adressat der Bildenden Kunst. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Primat der visuellen Wahrnehmung der Welt von vielen Künstlern in Frage gestellt und neu verhandelt. Die Futuristen dürfen als jene Avantgarde gelten, welche sich mit der Aufwertung von Tönen, Geräuschen und Düften an den Anfang einer Entwicklung setzte, die in den 1960er-Jahren in der Formulierung neuer Kunstbegriffe und der Entstehung multi-sensorischer Kunstformen kulminierte. Hören, Fühlen und Riechen gewinnen in der künstlerischen Praxis seither zunehmend an Bedeutung.
Die Ausstellung im Museum Villa Rot spürt der Bedeutung des Geruchssinns und dessen unterschiedlichen Rollen in der künstlerischen Auseinandersetzung nach. Als biochemische Botschaften wecken Düfte Gefühle, Erinnerungen und subjektive oder kollektiv konditionierte Assoziationen. Düfte provozieren, können anziehend oder abstoßend sein, Emotionen beeinflussen, betrügen und verführen. Sie wirken sich auf Sozial- und Sexualverhalten aus, sind Auslöser für Sympathie und Antipathie und verändern sogar den Hormonstatus. Diese Eigenschaften macht sich die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie zunehmend zu nutze.
Teilnehmende Künstler*innen: Gayil Nails, Ernesto Neto, Heribert Friedl, Helga Griffiths, Klara Ravath, Joeb Koelewijn, Maki Ueda, Clara Ursitti, Christine Söffing